Echte Schätze

Echte Schätze  -„Die Starke Sachen Kiste“ für Kinder

Im  Zeitraum vom 2.11. bis zum 3.12.2015 haben wir uns dem Projekt "Echte Schätze! - Die "Starke-Sachen-Kiste" für Kinder" gewidmet, ein Projekt des "Petzte-Instituts für Gewaltprävention" zur Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern. Dem voran ging ein Info-Elternabend, für den sich die Eltern anmelden konnten und der sehr gut besucht war. 

Neben dem Einbeziehen der Eltern, bekamen auch wir Erzieher intensive Fortbildungen im Vorfeld des Projektes.

Das eigentliche, ca. 5-wöchige Projekt basiert auf dem gleichnamigen Bilderbuch „Echte Schätze“ und vermittelt mit Hilfe von spielerischen Angeboten und Basteleinheiten die 6 Präventions-Prinzipien:

- Meine Gefühle sind richtig und ich kann ihnen vertrauen!

- Ich kann zwischen angenehmen und unangenehmen Berührungen unterscheiden!

- Ich kenne den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen!

- Ich darf Nein sagen und habe keine Schuld, wenn mir etwas passiert!

- Ich hole mir Hilfe, wenn ich alleine etwas nicht schaffe!

- Mein Körper gehört mir und ich darf darüber bestimmen!

Diese Prinzipien wurden am jeweils ersten Tag der Woche, in einer für sich abgeschlossenen Bilderbuchgeschichte aufgegriffen und behandelt und an den anschließenden Tagen vertieft.

"Katze Kim", die Katze aus dem Bilderbuch, die wir auch als Handpuppe hatten und die uns durch das komplette Projekt begleiten sollte, hat uns eine echte große rote  "Schatz-Kiste" mitgebracht. In dieser Schatzkiste waren sämtliche Materialien für die einzelnen Themen.

Außerdem besuchte uns Katze Kim auch immer zum Wochenabschluss, um das Präventions-prinzip der jeweiligen Woche zusammen zu fassen. 

In der ersten Woche haben wir uns dem Thema Gefühle gewidmet und mit den Kindern erarbeitet, welche Gefühle es gibt und das diese nicht immer so einfach zu benennen sind. Dabei half uns ein großes Plüsch-Herz, um zu verdeutlichen, dass unsere Gefühle mit unserem Herzen zusammen hängen. Wir haben festgestellt, dass man nicht jedes Gefühl bei jemand anderem sehen kann. Wir bastelten zu diesem Zweck ein „Gefühls-Barometer“ , bei dem wir unsere aktuelle Stimmung einstellen und somit allen sichtbar machen konnten, wie es uns geht.

In der zweiten Woche befassten wir uns mit dem Thema Berührungen. Wir haben besprochen was für uns angenehm und unangenehm ist. So kamen wir darauf, dass es sein kann, dass man eine Berührung von einer bestimmten Person mag, von einer ganz anderen Person aber total unangenehm findet. Um uns gegenseitig zu zeigen, wo wir ohne ein unangenehmes Gefühl zu haben berührt werden möchten, haben wir Magnet-Tafeln mit gezeichneten Bildern von Kindern benutzt, auf denen wir die Stellen am Körper mit grünen bzw. roten Magneten gekennzeichnet haben, an denen wir berührt werden dürfen oder eben nicht. Dabei sollten die Kinder jede Körperstelle die sie markierten benennen. So kam es natürlich auch vor, dass von "Pieschermann" und „Mumu“ die Rede war. Wir erklärten den Kindern das es für einige Körperteile bestimmte Kose-Namen gibt ,die auch alle richtig und in Ordnung sind, sagten ihnen aber auch die Namen, die wir im Kindergarten einheitlich verwenden, nämlich Penis und Scheide, um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen.

In der dritten Woche widmeten wir uns den guten und schlechten Geheimnissen und dem Umgang mit eben diesen. Wir stellten fest, dass es Geheimnisse gibt, die in uns ein angenehmes Kribbeln auslösen und uns Freude verspüren lassen, wenn wir an sie denken. Diese guten und schönen Geheimnisse dürfen wir auf jeden Fall gerne für uns behalten, um damit zum Beispiel jemanden eine Freude zu machen. Ein Beispiel für ein gutes Geheimnis wäre: das gemalte Bild für Opas nächsten Geburtstag in drei Tagen. Das macht uns fröhlich und wir denken gern daran, was es für eine Freude macht Opa zu sehen, wenn er das Bild bekommt.

Andererseits kennen wir auch das Gefühl von Schwere und Kummer, wenn wir ein Geheimnis haben. Das ist dann ein schlechtes Geheimnis. Es fühlt sich an, wie ein ganz schwerer Sack, den wir mit uns rumschleppen und wir sollten schnell jemanden davon erzählen, damit er uns hilft den schweren Sack zu tragen und am besten sogar zu beseitigen. So ein Geheimnis könnte sein, dass jemand das Lieblingsspielzeug klaut und Schläge androht wenn es „gepetzt“ wird. So etwas ist dann aber kein Petzen, sondern es ist richtig und wichtig davon zu erzählen, auch wenn wir versprochen haben nichts zu verraten oder uns gesagt wurde, dass davon jemand ganz traurig oder gar krank wird.

Da es aber genau darum nicht so leicht ist jemanden ein schlechtes Geheimnis anzuvertrauen, hat uns Katze Kim geholfen, denn sie hatte zwei Geheimnissäcke dabei, die wir uns als Vorbild genommen haben. Wir haben uns selbst kleine Säckchen genäht, ein helles leichtes und ein dunkles schweres Geheimnissäckchen. Wir haben einen Ort vereinbart, an dem die Kinder ihr Säckchen deponieren können, wenn sie etwas bedrückt und sie uns nicht direkt drauf ansprechen wollen, was natürlich jederzeit möglich ist.

Die vierte Woche knüpft thematisch sehr passend an, denn wir beschäftigten uns mit „Hilfe holen“.

Dabei ging es nicht nur um die Hilfe bei schlechten Geheimnissen, sondern auch um ganz allgemeine Dinge, wie zum Beispiel Schuhe zubinden oder etwas vom Regal holen. Wir haben besprochen, dass auch die Erzieher manchmal Hilfe benötigen und dann jemanden fragen. Die Kinder kamen dann darauf, dass es aber wichtig ist genau zu sagen, wobei sie Hilfe brauchen. Und auch die Art und Weise, wie wir um Hilfe bitten ist entscheidend, denn manchmal wird im Trubel ein leises „Hilfe!“ überhört. Mit Hilfe eines Megafons haben wir aber für ein lautes „Hilfe!“ gesorgt und gespürt , was so ein lauter Ruf mit uns selbst macht, denn es ist sehr mutig laut um Hilfe zu bitten. Wir waren richtig stolz auf uns, dass wir uns das getraut haben. Und damit jedes Kind das richtige Werkzeug zum laut um Hilfe bitten hat, haben wir jeder ein eigenes Megafon gebastelt.

Passend dazu haben wir den Kindern von der Initiative „Notinsel“ der Stiftung „Hänsel+Gretel“ erzählt. Diese Initiative ist ein Netzwerk von Geschäften und Dienstleistern wie z.B. Friseure oder auch Supermärkte, in denen Kinder in Gefahrensituationen und Notfällen Zuflucht finden und sich kompetente Hilfe holen können, auch für alltägliche Dinge wie zum Beispiel , wenn man sich verlaufen hat. Zu erkennen sind diese Notinseln, an einem für die Kinder gut sichtbaren und leicht zu merkendem Aufkleber am Eingang des Geschäfts.

Die letzte Woche und damit den Projekt-Abschluss bildete das Thema „Nein!“-sagen.

Dieses Thema läuft uns im täglichen Leben ständig über den Weg und wir stellten fest, das ein „Nein!“ leider nicht immer von allen wahrgenommen wird. Zum Beispiel wenn die Oma kommt und einen feuchten Schmatzer auf die Wange drücken will, das Kind dies aber nicht  möchte .„Nun gib der Oma doch mal einen Kuss, sie ist doch so selten zu Besuch.“, ist da häufig ein Satz der das „Nein!“ des Kindes nichtig werden lässt. Wir haben auch gemerkt, dass wir uns gar nicht immer trauen „Nein!“ zu sagen, weil wir niemanden weh tun möchten, der uns doch sonst sehr wichtig ist. Wir haben besprochen, dass es aber auch dann richtig und wichtig ist „Nein!“ zu sagen und demjenigen einfach zu erklären, warum wir gerade „Nein!“ sagen. Und auch wenn wir am Anfang einem Spiel zugestimmt haben, ist es in Ordnung im Nachhinein noch „Nein!“ zu sagen, wenn wir feststellen das dieses Spiel ein schlechtes Gefühl auslöst.

Wir haben mit den Kindern besprochen, dass es Situationen gibt ,in denen wir Erzieher uns über das „Nein!“ hinwegsetzten müssen, da sonst eine Gefahr entsteht. Ein Beispiel dafür wäre es, wenn draußen hoher Schnee liegt, das Kind sich aber weigert Schal und Mütze anzuziehen. Das Risiko, dass das Kind krank wird, ist zu hoch, als dass wir es ohne Schal und Mütze raus lassen könnten.

Weil jedes „Nein!“, laut und leise, gleich viel zählt, ein leises Nein aber manchmal nicht gehört werden kann, weil es eventuell zu laut in der Gruppe ist, haben wir uns überlegt wie der Körper aussehen sollte, wenn wir etwas nicht wollen: Grader Rücken, Blick ins Gesicht des Gegenübers, Hand nach vorne ausgestreckt (Stop-Hand). Und um das Ganze noch besser zu visualisieren, hat sich jedes Kind ein eigenes Stoppschild gebastelt, das wir als Meinungsverstärker benutzen können.

Das sechste und letzte Präventions-Prinzip „Mein Körper gehört mir und ich darf darüber bestimmen!“ wirkte in alle fünf Wochen mit ein und wird am Ende durch ein „Schatz-Siegel“ repräsentiert.

Am Ende einer jeden Woche gab es für den Abschluss eine sogenannte „Schatz-Marke“, ein Bildchen vom Schatz passend zum jeweiligen Thema, das die Kinder ausmalen und auf eine „Echte Schätze!“-Urkunde kleben konnten. Diese Urkunde gab es am Ende des Projekts für jedes Kind mit nach Hause.

Abschliessend können wir sagen, dass das Projekt sehr gut bei den Kindern, aber auch den Erwachsenen aufgenommen wurde. Die etwa halbstündigen täglichen Gesprächsrunden haben die Geduld und Ausdauer der Kinder herausgefordert. Sie haben sich viele Gedanken gemacht und einander zugehört. Natürlich haben sie sich am Ende der Woche auf Katze Kim besonders gefreut.

Auf ihre gesammelten Werke, die während des Projektes entstanden sind, waren die Kinder sehr stolz.

An dieser Stelle bedanken wir uns recht herzlich bei der PETZE für das tolle Projekt und die interessanten Fortbildungen.

Wir werden das „Echte Schätze Projekt“ zukünftig fest in unsere Vorschularbeit integrieren, denn wir finden, dass jedes der Präventionsthemen, seine Wichtigkeit hat und zum Thema für Kinder gemacht werden sollte.