Unser Konzept

UNSER PÄDAGOGISCHER ANSATZ

Unsere pädagogische Arbeit ist an der Philosophie der Reggio- Pädagogik orientiert. Der Ausgangspunkt unseres Lernkonzeptes ist die Vorstellung vom lernenden Kind. Kinder sind sehr lernbegierig und wollen ihre eigenen Fähigkeiten erweitern. Als unermüdliche Forscher erkunden sie die Welt und versuchen sie zu verstehen. Die kindliche Herangehensweise an die Welt ist stets ganzheitlich mit allen zur Verfügung stehenden Sinnen. Auch die Handlungsfähigkeit der Kinder entwickelt sich auf allen Ebenen. Dies wird durch die Auseinandersetzung mit komplexen Fragen des Alltags begünstigt. Unser Ziel ist es, jedes Kind bei seiner Entwicklung zu einer eigenständigen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu unterstützen, die autonom, solidarisch und kompetent am Leben teilhaben kann. Wir eröffnen Kindern individuelle Wege der Aneignung der Welt.

Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Lernprozesse mit zu gestalten und durch gezielte Projekte zu unterstützen. Im Vordergrund steht für uns der Erwerb von Lernkompetenz anstelle der bloßen Aneignung von Wissen.

Kind, deine Gedanken sind kostbar. In ihnen entstehst du und sie entstehen durch dich. Du kombinierst und verbindest, wie kein anderer vor dir. Du denkst dich ins Leben- und das Leben findet in dir eine Ausdrucksform.

– Loris Malaguzzi

Hundert Sprachen hat das Kind…

…und es gibt Hundert doch. Ein Kind ist aus Hundert gemacht, Ein Kind hat hundert Sprachen, hundert Hände, hundert Gedanken, hundert Weisen zu denken, zu spielen, zu sprechen. Hundert, immer hundert Weisen zu hören, zu staunen, zu lieben. Hundert Freuden zum Singen, zum Verstehen. Hundert Welten zu entdecken, hundert Welten zu erfinden, hundert Welten zu träumen. Ein Kind hat hundert Sprachen, (und noch hundert und hundert,…) aber neunundneunzig werden ihm geraubt. Die Schule und die Kultur trennen ihm den Geist vom Leib. Man sagt ihm, es soll ohne Hände denken, ohne Kopf handeln, nur hören und nicht sprechen, ohne Freuden verstehen, nur Ostern und Weihnachten staunen und lieben. Man sagt ihm, es soll die schon bestehende Welt entdecken. Und von hundert Welten werden ihm neunundneunzig geraubt. Man sagt ihm, dass Spiel und Arbeit, Wirklichkeit und Fantasie, Wissenschaft und Vorstellungskraft, Himmel und Erde, Vernunft und Träume Dinge sind, die nicht zusammenpassen. Ihm wird also gesagt, dass es Hundert nicht gibt. Ein Kind aber sagt:

„Und es gibt Hundert doch.“ – Loris Malaguzzi

Unser Bild vom Kind

Jedes Kind ist von Geburt an ein vollwertiger Mensch, das die Hauptrolle in seiner eigenen Entwicklung spielt.

Dabei handelt es aktiv und schafft so selbst seine/ihre individuelle Lern- und Wissensstruktur. Jedes Kind hat dabei eine individuelle Art die Welt zu sehen, zu fühlen und sich auf vielfältige Weise auszudrücken. Das Kind hat aber auch ein anderes Zeitverständnis: Es schaut nicht ständig auf die Uhr, sondern es begegnet der Situation, ohne an die Zeit zu denken; es lebt im Hier und Jetzt und hat 100 Sprachen, um sich über Spiele, Bilder und Worte zu artikulieren.

Das Bild vom individuellen Kind ist der zentrale Ausganspunkt unserer pädagogischen Arbeit. In Anlehnung an die Erkenntnistheorie des Konstruktivismus und die Auffassung der Reggio-Pädagogik begreifen wir das Kind als ein Individuum, das eine eigene Kultur schafft. Es ist wissbegierig, neugierig und besitzt große Potenziale.

Das Kind ist ein aktiver Konstrukteur seines Wissens. Es verfügt über eine angeborene innere Motivation, seine Kompetenzen zu erweitern und hat viel Spaß am Lernen. Das Kind ist aber auch ein soziales Wesen. Es ist auf zwischenmenschlichen Kontakt angewiesen. In der Gemeinschaft erhält es seine/ihre Orientierung durch Anerkennung, Anregungen, Regeln und Grenzen, Vorbilder und Werte.

Dieses allgemeine Bild des Kindes dient uns zur Reflexion, um ein adäquates Bild vom individuellen Kind zu erhalten. Wir erreichen dies, indem wir das Kind ein Stück seines/ihres Weges begleiten und ihm/ihr liebevoll assistieren. Denn jeder Entwicklungsweg ist etwas Besonderes. Damit wir der Entwicklung eines jeden Kindes individuell gerecht werden, folgen wir der Spur des einzelnen Kindes.

Ein Kind hat hundert Sprachen, aber neunundneunzig werden ihm geraubt.

– Loris Malaguzzi

Ein Kind hat hundert Sprachen, aber neunundneunzig werden ihm geraubt

– Loris Malaguzzi

Der Spur des Kindes folgen – Die Rolle unserer pädagogischen Fachkräfte

Um sich auf die Auseinandersetzung mit der äußeren Welt einlassen zu können, müssen Kinder sich wohl und sicher fühlen. Dafür benötigen sie verlässliche Beziehungen zu den Erwachsenen. Wir geben den Kindern Zeit, Dinge zu erfassen, auszuprobieren, Fehler zu machen und sich zu korrigieren. Hierbei sind wir nur so weit aktiv beteiligt, wie es nötig ist, um das Lernen und die Entwicklung des Kindes zu fördern und diese nicht allein dem Zufall zu überlassen.

Oft ist es hilfreich, das Kind in sich selbst wieder zum Leben zu erwecken und zu üben, die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen.

Wir entdecken gemeinsam mit den Kindern die „Wunder des Alltags“. Zudem ermutigen wir die Kinder zum Fragen und Weiterfragen, anstatt direkt Antworten zu geben, die die Neugier stoppen. In der Begleitung des Lernprozesses der Kinder verstehen wir uns als assistierende Vermittler und selbst Lernende und verhalten uns den Kindern gegenüber stets unverstellt. Wir achten das Kind, den Erwachsenen und uns selbst mit allen Unfertigkeiten und hinterfragen kontinuierlich unsere pädagogische Arbeit. Fehler und Grenzen nutzen wir als Chance der persönlichen Weiterentwicklung und leben so Offenheit und Aufrichtigkeit nach innen und außen.

Wir begegnen den Kindern mit Ruhe und Gelassenheit und geben ihnen ihr Recht auf Zeit — Zeit zu staunen, um Gefühle ausdrücken und ausleben zu können. Im Wissen um die Individualität eines jeden einzelnen Kind begegnen wir seiner Entwicklungsfähigkeit mit Zuversicht. Grundsätzlich trauen wir dem Kind zu, alles alleine zu tun und mischen uns möglichst nicht in seine Tätigkeit ein. Wenn es uns aber braucht, hat es jederzeit die Möglichkeit uns Erwachsenen mitzuteilen, was es bewegt; dann sind wir da und bieten unsere Unterstützung an. Wir geben dem Kind genügend Freiheit, denn nur so ergeben sich ausreichende Begegnungsmöglichkeiten, vielfältige Kontakte und auch lehrreiche Konflikte.

Unser Leitfaden im Umgang miteinander lautet: Regeln wo nötig, Freiraum wo möglich.

Auf der Suche nach einem Orientierungsrahmen testen Kinder regelmäßig ihre Grenzen. Wir helfen ihnen dabei, ihren Weg zu finden. Gemeinsam mit den Kindern erarbeiten wir Regeln, damit im sozialen Miteinander die Unversehrtheit von Körper und Seele gewährleistet ist. Um jedes Kind individuell zu fördern, bieten wir ihm/ihr unterschiedliche Erfahrungswelten an und fordern seine/ihre Selbstbildung heraus. Wir legen großen Wert auf Beobachtung und Wahrnehmung, schätzen den beständigen Austausch zwischen allen an der Erziehung beteiligten Erwachsenen und stellen uns stetig konstruktiver Kritik.